Der Drago-Drachenbaum

Der „Drago Milenario“ ist das botanische Wahrzeichen, denn er wächst auf Teneriffa, La Palma und auch auf Gran Canaria. Er ist teilweise jahrhunderte Jahre alt und viele sind riesengroß. Dabei ist der Drago ja gar kein richtiger Baum wie die meisten meinen und denken. Er ist sehr fotogen und verzaubert mit seiner Magie.


Der bekannteste Drago steht auf Teneriffa in Icod del los Vinos im Norden der Insel. Hierbei handelt es sich um das größte und älteste Exemplar dieser Pflanzenart. Wie alt er nun wirklich ist der „Tausendjährige“ weiß man nicht und selbst Pflanzen-Experten können es nur schätzen. Diese schwanken zwischen 400 und 600 Jahren, denn der Drago ist ja kein Baum und hat keine Jahresringe, an denen man das zählen könnte. Der Drago gehört zur Familie der Liliengewächse, obwohl sich die Wissenschaftler darüber mittlerweile streiten, ob er nicht doch zu den Agaven gehört?

Der Drago besitzt außergewöhnliche Eigenschaften. Er blüht äußerst selten, er blutet rotes Harz wenn man ihn anritzt und schneidet man einen seiner Äste ab, wachsen zwei an derselben Stelle nach. Das alles hat ihn im Lauf der Zeit zum Legendenbaum gemacht. Er gilt der Legende nach als direkter Nachkomme des 100köpfigen Drachen Ladón, der den Baum der Jugend mit seinen 12 goldenen Äpfel im Garten der Hesperiden bewachte. Allerdings nur, bis Herakles kam, ihm die Köpfe abschlug und die Äpfel klaute. Der Hesperidengarten lag “im Westen, wo die Sonne untergeht” Also auf den Kanarschen Inseln und aus Ladóns Bluttropfen keimten dann die ersten Drachenbäume.

Wen wundert es, dass ein so mythisch geborenes Gewächs sich bis heute großer Beliebtheit erfreut. Insbesondere in esoterischen Kreisen. In einem 1000jährigen Drachenbaum begegnen Sie dem Element Erde, macht ein Reiseunternehmen im Internet Lust auf eine “schamanische Teneriffa-Reise”. Räucherwerk-Hersteller dagegen wissen den Wert des Drago-Harzes zu schätzen und zermahlen es zu einem roten Pulver. Zündet man dieses an, bedeckt der “Atem des Drachens” den Körper, und das ist angeblich eine super sichere Sache. Drachenblut-Räucherung hilft gegen böse Geister, Dämonen und negative Energien, versprechen einige Anbieter. Andere empfehlen, das rote Drago-Pulver mit Weihrauch zu mischen. Anschließend wiederum anzünden, einatmen und dann geht was in der Liebe.;-)
Doch der Saft des Drachenbaumes machte schon lange vor seinem Auftritt im World-Wide-Web Karriere. Die spanischen Eroberer zapften das rote Gold der Kanaren ab, weil es sich im Mittelalter ganz hervorragend als Holzschutz- und Färbemittel sowie als Medikament für innere und äußere Wehwehchen verkaufen ließ. Das Wissen darum hatten die Spanier von den Ureinwohnern der Kanaren, die mit Dragoblut Knochenbrüche heilten und ihre Toten mumifizierten.

Sogar Alexander von Humboldt schrieb während seiner Woche auf Teneriffa im Jahr 1799 von der Heilkraft des Baumes, der kein Baum ist. In La Laguna fertigt man in Nonnenklöstern Zahnstocher, die mit dem Saft des Drachenblutes getränkt sind, die man uns anpries, weil sie das Zahnfleisch konservieren sollten. Tatsächlich wurde das magische Harz bis ins 19. Jahrhundert als Zusatz für Zahncremes verwendet. Im 21. Jahrhundert hat der Saft seine Bedeutung in der Medizin verloren.

 

(c) 2013 Rainer Hasanovic

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